Beide Titel bleiben in Baden-Württemberg
Die Vorgeschichte dieser Meisterschaft der Kyu-Grade war eine recht holprige. Nachdem der ursprüngliche Ausrichter, der lange geplant und vorbereitet hatte, aufgrund fehlender ausreichender Zusagen der Wertungsrichter absagen musste, war die Not groß, ob in diesem Jahr überhaupt eine Meisterschaft stattfinden würde. Ein angedachter alternativer Ausrichter konnte kurzfristig keine Sporthalle mehr finden und so geschah es, dass durch ein lockeres Gespräch bei der DEM in Karlsruhe sich doch noch eine Möglichkeit für die Austragung dieser Meisterschaften eröffnete: Rottweil.
Zugegeben, für viele scheint Rottweils Lage zu wenig zentral und der Termin mit Mitte September zerschlug manche Teilnahmeabsicht, aber der ursprünglich angesetzte Termin Ende Oktober ist klimatisch betrachtet für ein Dojo am Rande der schwäbischen Alb keine gute Wahl. Es wäre wettertechnisch einem Glücksspiel gleichgekommen, die Meisterschaft zu dieser Zeit dort stattfinden zu lassen. Doch Mitte September zeigte sich das Shu Gi Kan Kyu Dojo von seiner schönsten Seite. Goldene Spätsommertage und Temperaturen, die die Schützen aufs angenehmste in Ihrer Konzentration an der Shai unterstützten. Das weit geöffnete Falttor lud die Sonne ein früh morgens das Parkett des Dojo zu erwärmen…
Zurück zum Wettkampf. Natürlich war allen Beteiligten klar, dass die Meisterschaft terminlich auf Kollisionskurs mit der überall stattfindenden Video-Shinsa stand und so waren am Ende nur sechzehn Teilnehmende gemeldet. Für den ordnungsgemäßen Ablauf der Veranstaltung sorgte die große Schar Rottweiler Kyudoka um Marion Moritz, die auch als Wettkampfleiterin und Kampfrichterin im Shajo tätig war. Unterstützung fand sie in diesem Jahr in Marcus Kleint aus Freiburg, der als Azuchi-Kampfrichter mit geschultem Auge die Mato im Blick hatte. Als Wertungsrichter hatten Shigeasu Kameo, Sorin Jurma und Tobias Oswald Platz auf der Kamiza genommen.
Nach der Auslosung der Startreihenfolge und einem kurzen Einschießen der Teilnehmer folgte eine wunderschöne Darbietung des Yawatashi. Shigeyasu Kameo als Ite wurde dabei von den beiden Kaizoe Sorin Jurma und Tobias Oswald assistiert.
Pünktlich startete der Wettkampf mit 2×2 Pfeilen in die Stilpreisrunde. In ruhiger Atmosphäre traten die Tachi an die Shai und stellten sich den wachen und aufmerksamen Blicken der Wertungsrichter.
Hier die Ergebnisse der Stilpreiswertung der 18. Deutschen Kyu-Einzelmeisterschaft:
| 1. Platz | Pia Schwitters | Karlsruhe |
| 2. Platz | Timeea Samoila | Waldniel |
| 3. Platz | Sophie Sengpiel | Hamburg |
Die Verteilung der drei ersten Plätze in der Stilpreiswertung von Karlsruhe über Waldniel bis nach Hamburg zeigt, auf welchem Niveau in Deutschland Kyudo praktiziert wird.
Abends schloss sich, nach einer stärkenden Pause, der erste Teil des Mini-Seminars an. Der Optimierung des Stils und des Taihai wurde hier großzügig Raum gegeben.
Früh um acht wurde das Dojo geöffnet, damit pünktlich um neun die Endrunde starten konnte. Auch an diesem Morgen war wieder die große Ruhe und Konzentration im Dojo zu spüren, die mit das Wesen des Kyudo ausmacht. Drei Runden á 4 Pfeile, dies war die Herausforderung für die Teilnehmenden. Am Großbildmonitor konnten die Ergebnisse der einzelnen Runden nahezu in Echtzeit von den Teilnehmenden und den Gästen abgelesen werden. Ein großes Dankeschön geht hierfür an Bernhard Weller, der mit Akkuratesse die handschriftlichen Listen in EDV-taugliche Daten umwandelte.
Dieser wunderschöne und sonnige Sonntagmorgen im Shu Gi Kan Kyu Dojo war geschaffen für einen harmonischen Wettkampf. Anspannung in unterschiedlichster Ausprägung bei den Schützen, wachsames, konzentriertes Verfolgen und Steuern der Endrunde durch die Wettkampfleiterin und entspanntes, aber dennoch konzentriertes Zuschauen der Wertungsrichter, die an diesem Tag sich auf den anschließenden zweiten Teil des Mini-Seminar fokussieren konnten.
An der Shai und auf dem Monitor wurde Runde um Runde deutlicher sichtbar, wer in diesem Jahr am treffsichersten war.
Hier die Ergebnisse der Treffer-/Gesamtwertung der 18. Deutschen Kyu-Einzelmeisterschaft:
| 1. Platz | Andreas Tensin | Stuttgart | (11/16) |
| 2. Platz | Céline Wichmann | Stuttgart | (8/16) |
| 3. Platz | Sophie Sengpiel | Hamburg | ((7/16) nach Stechen) |
Zwei Stuttgarter Kyudoka, Andreas Tensin und Céline Wichmann, sicherten sich souverän die ersten beiden Plätze. Ein Enkin um Platz drei, zu dem Sophie Sengpiel und Pavlo Kohschenko aus Rottweil antraten, brachte noch zusätzliche Würze und Spannung in diese Finalrunde.
Auf zwei Besonderheiten dieser Meisterschaft sei hier hingewiesen: Zum einen haben wir eine „Wiederholungstäterin“ in der Siegerliste. Pia Schwitters aus Karlsruhe holte sich im zweiten Jahr in Folge den Stilpreis und zum anderen die sehr konstante Leistung von Sophie Sengpiel aus Hamburg, die in beiden Kategorien den 3. Platz errang.
Nach der Siegerehrung und einer stärkenden Pause sammelten sich die Teilnehmenden zum zweiten Teil des Mini-Seminar. Das Erläutern des Wertungssystems bei der Stilpreiswertung wurde mit viel Interesse aufgenommen. Bei den dadurch entstehenden Einblicken wuchs das Verständnis der Teilnehmenden für die am Großbildmonitor dargestellten Zahlenwerte. Der Großteil der verbleibenden Seminarzeit wurde, unterbrochen von einem reichhaltigen und leckeren Mittagessen, der Individualkorrektur gewidmet. Es wurden Korrekturschwerpunkte der Teilnehmenden weiterverfolgt, die diese bereits aus dem Training in ihren Heimatdojo kennen und bearbeiten. Alle, die Kyudo schon lange praktizieren kennen das Phänomen: Ein anderer Lehrer wählt andere Worte und andere Bilder, was oft bereichernd, klärend und erhellend wirkt. (Dies sei ganz nebenbei bemerkt als Aufforderung zum Besuch externer Lehrgänge verstanden!)
So endete dieses Wochenende in Rottweil. Zum Schluss sei aber den vielen gedankt, die im Hintergrund dafür sorgten, dass der Rasen gemäht, das Unkraut gezupft, die Pass-Bäbber gedruckt, die Mato geklebt, das Buffet so reichhaltig mit Kalorien winkt, etc.pp. und am Ende die ganze Wettkampfveranstaltung wieder eine runde und gelungene Veranstaltung war.
Text: Marion Moritz
Fotos: Erik Hamann, Marion Moritz






